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Taufkirchner Neumitglied Robin auf dem Bundesparteitag

Geschrieben von Robin Waldenburg am . Veröffentlicht in Gemeindepolitik

Robin Waldenburg (18) aus Taufkirchen berichtet von seiner ersten Bundesdelegiertenkonferenz

Freitag, 26. Januar 2018, 10:26 Uhr, Hauptbahnhof München: Los geht es zu meiner ersten BDK. Zwei Wochen zuvor bin ich als Delegierter gewählt worden und darf nun nach Hannover fahren – zusammen mit Christine, Ilona, Brigitte, Silke, Markus und Markus. Schon im Zug geht es ans Arbeiten, so ein Parteitag will ja gut vorbereitet sein. Wir lesen fleißig alle V-Anträge durch und debattieren darüber, wer für den Parteivorsitz geeignet wäre.

Um kurz nach drei kommen wir in Hannover an. Kurz ins Hotel, dann sofort zum Kongresszentrum: Für mich steht das Neudelegiertentreffen an. Uns wird erklärt, wann man wo wie abstimmen muss und wie die BDK ablaufen wird. Und nun geht es wirklich los.

Zuerst werden wir vom Kreisverband Hannover begrüßt, dann eröffnet die scheidende Bundesvorsitzende Simone Peter den ersten Tagesordnungspunkt. Sie und Cem Özdemir werden verabschiedet, beide bekommen als Abschiedsgeschenk ein Fahrrad. Ab 21 Uhr gibt es viele Redebeiträge – der Kampf gegen Rechts, die Umweltpolitik und die grüne Zukunft stehen im Fokus. Auch ich könnte etwas sagen, habe aber nicht den Eindruck, noch etwas Weltbewegendes beitragen zu können, was nicht schon gesagt worden wäre. Anderen geht es wohl ähnlich, was sie aber nicht davon abhält, trotzdem zu sprechen.

Etwas viel Konsens, denke ich mir, aber lieber so als dass man sich schon jetzt zerfleischt. Dies könnte nämlich im Anschluss folgen: Um zwanzig vor zehn geht es endlich ans Eingemachte, die Satzungsänderungsanträge stehen auf dem Programm. Die Trennung von Amt und Mandat, der medial am meisten beachtete Punkt der BDK, wird behandelt. Die verschiedenen Antragsteller stellen die Möglichkeiten einer zwölfmonatigen, achtmonatigen, dreimonatigen oder gar keiner Übergangsfrist vor. Nun hören wir zum ersten Mal auch Robert Habeck, der sich als direkt Betroffener für acht Monate ausspricht. Die Gegenrede ist schwach und zielt auf einen Frau-Mann-Konflikt ab, der nicht gegeben ist. Dennoch gibt es viel Applaus – es wird spannend. Die Wahl läuft holprig an, weil einige Delegierte den ersten Zettel ihres Stimmblocks anderweitig verwendet haben.

Robin und die weiteren Delegierten mit Toni Hofreiter und anderer Parteiprominenz

Es zeigt sich, dass offenbar nicht alle im Saal das korrekte Abstimmungsprozedere im Blut haben – jemand verwendet den falschen Stimmzettel, die Wahl muss erneut wiederholt werden. Wäre ich von der BILD-Zeitung, hätte ich wohl einen Sabotageakt vermutet. Doch dann hält sich endlich jeder an die Vorgaben, die Stimmen werden ausgezählt – und das Ergebnis verkündet: Eine Übergangsfrist von acht Monaten wurde angenommen. 23:30 Uhr, für heute sind wir fertig. Und zwar im wahrsten Sinne fix und fertig.

Am Samstag müssen wir gleich wieder früh raus, die Kandidaten für den Bundesvorsitz kennenlernen – ein Extra-Privileg für uns bayerische Delegierte. Alle drei stellen sich kurz vor und erwecken den Eindruck, dass jedem von ihnen der Vorsitz zuzutrauen wäre. Abgestimmt wird aber noch nicht zu Beginn der Tagesordnung, vorher hält die Holocaust-Überlebende Hanni Levy anlässlich des Gedenktages eine bewegende Rede – alle im Saal stehen auf und applaudieren.

Dann ist es zwölf Uhr, doch statt Mittagessen gibt es die Vorstellungsrede von Annalena Baerbock. Emotional und aufrüttelnd spricht sie vom Kampf gegen Kohlekraft und rechte Bewegungen. Anja Piel schließt an – dann wird gewählt. Um 12:02 ist Annalena Baerbock neue Bundesvorsitzende, Robert Habeck zieht nach. Die Grünen haben ein neues Duo an der Spitze!

Das Medieninteresse ist nicht mehr ganz so hoch, aber wir dürfen noch oft unser digitales Abstimmungstool benutzen. Schatzmeister, Bundesvorstand, Schiedsgericht, Antragskommission und Parteirat werden gewählt. So viele Reden habe ich gefühlt in meinem ganzen Leben nicht gehört wie an diesem Samstag. Es sind viele interessante Beiträge dabei und uns wird die Wahl nicht leicht gemacht. Gleichzeitig stellen wir fest: Die Worte der diesjährigen BDK sind unstrittig: „krass“, „verdammt nochmal“, „vergnügungssteuerpflichtig“ und „globalisierungskritische Studentin“. Um 19:58 Uhr wird die Tagesordnung geschlossen und wir haben es geschafft. Vorbei ist eine sehr ereignisreiche und anregende BDK – und ich bin voller Feuer für Demokratie, Umweltschutz und Politik.